Tolstoi lesen IV

Vor kurzem schrieb C sinngemäß, er erreiche täglich neue Höhen im Prokrastinationsgebirge. Heute habe er seinem Opa einen Kuchen gebacken. Mein entsprechendes Vermögen ist ebenfalls groß. Selten war der Abwasch so regelmäßig abgewaschen wie derzeit. Kuchen habe ich noch nicht gebacken. Aber auch Tolstoi liegt ungelesen auf dem Klavier. Ablenkung verschafft die JuS, die im Februar einen Aufsatz meines heutigen Interviewpartners gedruckt hat.

Während die Kartoffeln in der Pfanne brutzeln, transkribiere ich das Gespräch . Ob ich einen Zusammenhang zwischen den Richterpräferenzen und ihrem Entscheidungsverhalten feststellen werde? „Nö […], denn es kann nicht sein, was nicht sein darf.“ Mit neuen Eindrücken, Literaturtipps und Interviewpartnervorschlägen und der Bestätigung des legalistischen Ansatzes gehe ich zurück an die Arbeit.

Das Interview nimmt dem Autor ein wenig das Denken ab. Vielleicht sollte ich noch mehr Interviews führen..

Offene Fragen: Was wird mir Wolfgang Neskovic morgen sagen?

Tolstoi: 0

Tolstoi lesen III

Zwischen Bibliothek und Hauptgebäude liegen etwa 500 Meter. In drei Minuten hat man die Distanz bequem überwunden. Dennoch klappern die Zähne und schlottern die Knie, als ich mein Kolloqium erreiche.

Unterwegs finde ich ein blankgeputztes Ein-Euro-Stück. Mein größter Geldfund bislang. Selbst wenn ich die Hälfte davon in einen heißen Tee investiere, bleibt ein hochgerechnet guter Stundenlohn. Studieren lohnt sich.

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Teil 1, IV-VI

Die Russen. Ein Trinkgelage, ein Mischka sowie eine Mutprobe, die darin bestand, einige Zeit auf einem Fensterbrett in lebensbedrohlicher Höhe zu verweilen und dabei eine Flasche alkoholhaltigen Rauschgetränks zu leeren. Dolochow gelingt das Kunststück, er erhält die 50 Imperiale vom englischen Wettpartner. Geburt oder bloße Beschreibung eines Klischees?

Wortschatzerweiterung:
Imperial: Russische Goldmünze zu 10 Rubel, zuerst unter der Zarin Elisabeth im Jahr 1755 geprägt, zeigt auf der Vorderseite die Büste der Herrscherin und auf der Rückseite ein aus 5 Schilden gebildetes Kreuz mit der Jahreszahl in den Winkeln.

Tolstoi lesen II

Am Freitag das letzte Konzert von Virginia Jetzt! im Admiralspalast Berlin. Es soll das allerletzte sein, danach wolle man wieder Schränke bauen, Bands managen, das Literaturstudium beenden, Platten auflegen. Ein Zusammenschnitt verschiedener Bandankündigungen in Fernseh-Shows („aus der Pampa“) erinnert an erfolgreiche Jahre. Ein Streicherensemble vom Band spielt Eleanor Rigby. Dann arbeiten sich Virginia Jetzt! chronologisch (!) durch ihr Werk, die Publikumsstimung ist eher bedrückt als ausgelassen und am Ende ist unklar, ob die Auflösung der Band mehr schmerzt als die Erinnerung an eine eigene Jugendzeit, deren Ende sich niemand eingestehen mag. VJ! leisteten einen erheblichen Beitrag zum Soundtrack der letzten Schuljahre und meinem Studienbeginn, zum Evergreen „Von Guten Eltern“ fuhr ich in meinem ersten Auto – die rechte Hand auf dem Oberschenkel meiner Freundin – über Bornholmer Landstraßen und das kopierte Cover des ersten VJ!-Albums brachte mir im Gegenzug ein phantastische Doppel-Mixed-Tape ein, dessen Songfolge ich noch heute auswendig aufsagen kann.

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Teil 1, I-III

Ich frage mich, ob es mir gelingen wird, eine adäquate Form zu findent, das Gelesene und die Erfahrungen damit zu sortieren.

Das Werk beginnt 1805. Mein Wissen über die russische Geschichte ist begrenzt, ich werde mir manches anlesen müssen. Es ist die Zeit vor Jena und Auerstedt und natürlich des Russlandfeldzugs Napoleons 1812. Darauf wird es wohl hinauslaufen.

In Russland herrscht Sophie Dorothee von Württemberg, in Russland unter dem Namen Zarin Maria Fjodorowna bekannt. Deren Vertraute Anna Pawlowna Scherer richtet eine Soiree aus, zu welcher der Fürst Wassili (zu früh) mit seiner Tochter, Prinzessin Hélène, ein Abbé und ein Pierre sowie der Vicomte de Mortemart erscheinen. Noch weiß man freilich nicht, auf wen es in der Folge ankommen wird, daher werde ich an Details zu den einzelnen Personen sparen. Generelle Tendenz: Anekdoten über Napoleon sind erwünscht. Fachgespräche über die Bedingungen von Krieg und Frieden nicht. Ein Kauz, wer sich hierüber wundert.

Französisch lernen mit Krieg und Frieden: Cette fameuse neutralité prussienne, ce n‘est qu‘un piège – Diese berühmt preußische Neutralität ist nur eine Falle.

Tolstoi lesen

Frustshoppen sagt wohl der Volksmund dazu. Nach der verbaselten Hausarbeit gab es bei Zara Ahnsehnliches erst ab 100,00 €. Neben Zara ist Dussmann. Welch ein Glück.

In der Taschenbuchabteilung im Erdgeschoss beginnt die Buchreihe bei Z. Von Juli Zeh findet man genug für die nächsten zwei Jahre. Vargas Llosa steht auch nicht weit. Die Nachlese eines aktuellen Nobelpreisträgers steht jedem Bildungsbürger gut zu Gesicht. Doch Lateinamerika liegt mir derzeit fern.

Etwas weiter links sogar Volker Strübing im Taschenbuch.

Dazwischen jedoch, in vier Ausgaben: Tolstoi. Krieg und Frieden. Ein Projekt. Ich liebe Projekte.

In einem Band die (im Vergleich zur späteren Fassung etwa halb so umfangreiche) sog. „Urfassung“ in aktueller Übersetzung und lesbarem Schriftbild. Die Urfassung ist aber eigentlich eine zusammengeschusterte Zwischenfassung. Wer will das lesen?

Die richtige Version gibt es in zwei bis vier Bänden, eine Übersetzung reicht sogar bis in die 20er Jahre des letzten Jahrhunderts zurück. Andere sind aus den 50er Jahren. Ich nehme an, dass die anachronistischen Formulierungen das Lesevergnügen trüben würden und entscheide mich für die aktuelle Übersetzung von Barbara Conrad-Lütt, erschienen im September 2010 zum Preis eines kleinen Einfamilienhauses.

neue Fachliteratur

Ich habe der Sammlung eine Hausarbeit zur Rot-Grünen Minderheitskoalition in Sachsen-Anhalt von 1994-1998 hinzugefügt, in der es um die Frage geht, ob es sich bei dieser um eine echte Minderheitsregierung oder eine versteckte Mehrheitsregierung handelt. Es mag in der derzeitigen Diskussion um die Regierungsbildung in NRW von Interesse sein. Die Hausarbeit wurde von Sascha Müller, Universität Potsdam, erstellt.

Nach dem Klick

Weiterhin habe ich ein eigenes Essay aus dem letzten Monat zum Thema Ab- und Entgrenzung in der Europäischen Union online gestellt.

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