Archiv für April 2007

was judith holofernes nicht mag..

Ach ja, und ich mag keine sentimentalen, erpresserischen Reißbrett- Indie -Arthouse Filme à la „Kleines Mädchen schließt tiefe Freundschaft mit einem aussterbenden Tier und findet darüber Zugang zu dem verschlossenen Herzen eines alten, einsamen, grantigen Mannes, während sich darum herum lauter total liebenswerte, skurrile Handlungsstränge um völlig kaputte Leute entspinnen, die aber irgendwie auch alle total wissen, wie man lebt.klick

ja, das fasst ziemlich gut zusammen, welche art von film ich gern schaue.

geneviève und ich.

sie fuhren die ausfallstraße stadteinwärts. wenn man aus osten kommt, steht einem am abend die sonne im gesicht. er erinnerte sich an das lied dieser ungeübten jungsgruppe vor einigen jahren. die sangen im refrain:

die sonnenuntergänge von berlin
sind ein grund um nach berlin zu zieh‘n.
die abgaswolken schaffen rotes licht
weil das licht sich in dem abgas bricht

altmodisch gereimt; aber recht hatten sie ja. vielleicht nicht nach physikalischen maßstäben. er hatte in den letzten jahren viele städte besucht, dörfer auf der landkarte gesucht und immer wieder nach dem weg gefragt. die sonne selbst sah überall gleich aus. aber die sonnenuntergänge waren in berlin am schönsten. vielleicht, weil die stadt so flach ist.

und du fragst dich, darfst du traurig sein
und ob es richtig ist
wenn die große liebe einen anderen küsst

es müsste „richtig sei“ heißen.

und du fragst dich, darfst du traurig sein
ist das die sache wert
wenn die große liebe einene andern nimmt
und mit ihm in ferne länder fährt

es war ihm wert, natürlich.

mag sein, dass das blöd ist
kann auch sein, dass sie dich mag
der sommer ist vorbei
die letzten reisen ab

mag sein, dass das peinlich ist
september vergeht
der sommer ist vorbei
sie sagt zu spät

september vergeht. das klang nach unglücklicher greenday-übersetzung. aber es war doch september. einen kunstgriff vielleicht? aber nein. es sollten sich doch alle wiederfinden. also schön genau beschreiben. verknappt und genau.

was sie heute wohl treibt
sechs jahre zweier leben
und was von heute noch bleibt

sie passierten das mcdonalds-restaurant mit der einrichtung aus dem ikea-kinderparadies. geneviève – natürlich hieß sie nicht geneviève, aber wenn andré gide sich namen ausdenken durfte, dachte er, und überlegte sich geneviève, weil es so schön unrealistisch, wenig glaubhaft klang. da würden sie wieder nachforschen wollen, seine gedanken auf den kopf stellen und überlegen. er wollte sie dazu bringen. bewusst. geneviève saß also neben ihm und wusste nicht wie. und warum. sie studierte in berlin, weit draußen in der villengegend, ohne den flair der klassizistischen mitte-gebäude. geneviève kannte das vorher nicht.

wird irgendwie fortgesetzt.

was menschen mögen

ndr überträgt die überfahrt eines aida-kreuzfahrtschiffes und nennt die ganze zeit firmennamen. klaus von klaus und klaus darf erzählen, dass er im nächsten august eine kreuzfahrt von hamburg über die shetlandinseln nach norwegen macht, die exklusiv von lufthansairgendwas durchgeführt wird („das muss man sagen! das muss man sagen!“). die moderatorin erklärt, dass schiffstaufen nur von frauen durchgeführt werden und fragt roberto blanco gleich darauf, ob er schon mal ein schiff getauft hätte.. die einzige rechtfertigung für diesen überflüssigen unsinn ist die mystische konservenmusik von westbam und christian steinhäuser und eine irgendwie zusammengeschusterte lichtshow.

dann wird das „atemberaubend“ (ndr-moderator abeln), „sagenhaft schön“ (hamburgs bürgermeister) „phantastisch“ (nrd-moderatorin wehle), „kreuzfahrten gibt es mittlerweile für fast jeden geldbeutel“, „clubschiffe sind tierisch angesagt“ genannt. es ist reinste kreuzfahrtwerbung. und das im öffentlich-rechtlichen. von schleichwerbung kann hier nicht mehr die rede sein.

und an den landungsbrücken raus. dieses bild verdient schmährufe.

sportjournalisten

pack. ich räume gleich ein: das ist nicht leicht. es ist nicht so wie in der politik, wo die eigentliche tätigkeit hinter verschlossenen türen geschieht, die herren und damen darauf zur pressekonferenz schreiten um mitzuteilen, ob es zu einem durchbruch, weichenstellung oder was auch immer gereicht hat. diese sätze werden dann von journalisten, die wiederum von spin-doktoren instruiert werden, in den kontext gesetzt, erklärt, gedeutet.

anders beim sport. das eigentliche geschehen findet vor der kamera statt, der interessierte kann somit alles sehen (vom letzten weltmeisterschaftsboxkampf zwischen walujew und chagayev abgesehen, in der die bildregie derart schlecht war, dass man statt der treffer stets die andere ringkamera und/oder den rücken von walujew gesehen hat), bemerkt, wer mehr ballbesitz hat, sich mehr chancen herausspielt. da bleibt eigentlich nur, ab und an den namen des ballführenden spielers zu nennen, weil die derzeitige auflösung vor hdtv und regelmäßig wechselnde frisuren der werbeträger dem zuschauer oftmals nicht erlauben, diese aufgabe selbst zu übernehmen. weiterhin kann man statistiken aus der ran-datenbank herauskramen und als eigenes wissen verkaufen. zuletzt erklärte der kommentator, dass werder bremen vier der letzten sechs heimniederlagen zu hause kassiert habe.

Man darf sicher in Frage stellen, ob so viel vor- und nachberichterstattung bei sport- bzw. medienereignissen nötig ist. wenn man aber regelmäßig darüber schreibt, sollte man auch einen grund haben. heute demonstrierte spiegel online, dass ihnen endgültig nichts mehr einfällt. im chapeau heißt es da:

zwei vereine stehen im mittelfeld der bundesliga, zwölf im abstiegskampf und vier machen in einer mini-liga den meister aus. der liga droht so auf dauer die langeweile.

zusammengefasst: 5 spieltage vor schluss haben mit schalke, bremen, stuttgart und bayern noch 4 mannschaften tatsächliche chancen auf den meistertitel, leverkusen und nürnberg spielen um den letzten uefacupplatz und alle anderen können noch absteigen. nein, spiegel online hat recht: wenn bayern nicht schon am 30 spieltag meister ist, kann man von spannung nicht mehr sprechen. wir brauchen mehr mittelfeld!

die „interviews“ nach den spielen und kämpfen muss man nicht mehr kommentieren.

was mädels so auf dem klo machen..

http://www.glumbert.com/media/ladiesroom