wir waren im olympiastadion, das laut äußerst leserlicher inschrift am marathontor noch immer am reichssportfeld steht. jesse owens hat hier über 100m, 200m, 4×100m und im weitsprung gold geholt, zinédine yazid zidane marco materazzi mit köpfchen niedergestreckt. genug, um diese sportstätte als historisch einzuordnen.
wie viele grandiose und spannende spiele ich hier schon gesehen habe? zitieren wir zur beantwortung dieser frage doch einmal die aufgebrachte menge im gästefanblock, die in wortwahl und rhythmus in etwa folgendes äußerte:
ohne bayer wär‘ hier gar nichts los.
und so geht das schon seit jahren, völlig gleich, ob der gegner nun dortmund, wolfsburg, bremen oder – wie in der regel – bayer leverkusen heißt: die spielweise des hauptstadtclubs bereitet zumeist wenig freude. so kann man aber skrupellos der niederlage des heimischen vereins entgegenfiebern. schlechtes gewissen? achwo.
hertha bsc berlin – werder bremen 6.5.2007
wir waren in großer gruppe angereist, 7 menschen, darunter 2 tatsächliche bremen-anhänger, der rest nur mit werder-wohlwollen, um schalkes meisterschaft nicht miterleben zu müssen. im stadion dann andere bekannte gesichter entdeckt, auch neutral eingestellt, die meisten zum ersten mal bei einem fußballspiel. werder scheint auch die indifferenten anzuziehen. ausverkauft. 5 tore, bremen gut, rote karte, bier und bratwurst. ich möchte georg einmal mit bier und bratwurst ein fußballspiel ansehen sehen. irgendwann. algemarin, „die dusche der hertha-stars“, präsentierte die nachspielzeit (2min dank algemarin), der kurier die zwischenstände, deutsche bahn mobility (?) bezahlte die bandenwerbungsrechte, und es gibt eine ec-karte von hertha bsc, wie es auch knut-ec-karten gibt.
hertha bsc berlin – bayer 04 leverkusen 12.05.2007
alljährlich pilgern wir zum olympiastadion, um unsere helden außerhalb der mattscheibe (in zeiten von hdtv sicher ein anachronismus) sehen zu dürfen. jedes jahr ist das uns etwas mehr geld wert, aber wer weiß, wie lang schneider noch mitmachen will. in den 16 euro war eine unterhaltsame halbzeitshow bereits inklusive. und selbst verwöhnte basketballbesucher werden jetzt verwundert die augen aufreißen und den kiefer einige zentimeter nach unten fallen lassen: wir durften zwei teils übergewichtigen jungen aus offensichtlich prekären lebensverhältnissen 10 min beim computerspielen zuschauen und sollten das computer-team hertha anfeuern. da merkte man gar nicht, wie schnell die zeit verging.
berlin glich immer wieder aus, doch am ende konnten wir (wir!) uns aufgrund einer strittigen strafstoßentscheidung mit 3:2 durchsetzen und beschwingt den heimweg antreten. bis zum nächsten jahr.