Archiv für August 2007

gegendarstellung

muss ich posten:) audiatur et altera pars

uwe (in begleitung: die größen/figur/und auch sonst -mäßig ideal passende vivien) fiel ein: wir können ja zu den enthusiasten gehen.

offenbar kann man das auf zweierlei arten verstehen. daher: gemeint ist hier nicht, dass uwe und vivien mäßig ideal zueinander passen, sondern, dass sie größenmäßig, figurmäßig und auch sonst ideal zueinander passen.

der ausdruck mag nicht der beste sein. ja, aber wie erklärt sich sonst der bindestrich vor mäßig..

hat das noch jemand falsch verstanden?

und: warum keine glückwunschkommentare zum volker-gästebucheintrag. Aktivität!

ach und noch: vornamen haben natürlich nichts gemein mit real existierenden vorbildern..nönö.

„wie ich volker strübing sagte, dass ich seinen blog toll fände“ oder „donnerstag abend gibt’s ja auch noch die enthusiasten“

ein lauer winterabend 2006. der tag mit dem neuen kinoprogramm. sommer vorm balkon im international, passend zur jahreszeit. damals noch ohne auto kämpfte ich mich durch den matsch auf den oberen stufen der treppe zum u-bahnhof schillingstraße. das international war wie gewohnt erleuchtet. vor dem eingang säumten jedoch scheinwerfer einen roten teppich. galant gekleidete menschen waberten mit der masse ins innere. premiere. dabei wollten wir nur normal ins kino gehen. mit bionade (gab’s die damals schon?) und großer leinwand vor altmodischem interieur.

- wir stehen auf der gästeliste
- ja? wie heißen sie denn?
- dubrowski
- (nach zweimaligem durchsehen der a4-zettel) das tut mir leid. ich kann sie nirgends finden.
- schade.

aber es gibt ja noch die enthusiasten! fiel es mir ein. es war halb 9. mit der u5 richtung frankfurter tor. im winter sieht es da richtig nach moskau aus. klingelstreich bei alex z. und franzi. wir warteten, bis die straßenbahn in sichtweite war, um uns darauf mit beherztem sprint hinter ihr verstecken zu können. bei den enthusiasten saßen wir – weil der raw-tempel schon gut gefüllt war – auf der bühne und wurden nach abermaligem quatschen von dan richter mit strengem blick bedacht.

was ich eigentlich sagen will: die enthusiasten haben als alternativangebot aufgrund verkorkster eigentlich-veranstaltungen eine lange tradition.

so auch gestern. die kleingeldprinzessin spielte im zebrano am ostkreuz. das kleine theater mit der niedlichen tribüne war bis auf den letzten platz ausverkauft, stehen hätte ich noch können. nur die freunde waren noch nicht da („wir haben die ganze zeit draußen gewartet…“). dota schenkte uns ein gepresstes lächeln.
was tun an einem donnerstag abend? uwe (in begleitung: die größen/figur/und auch sonst -mäßig ideal passende vivien) fiel ein: wir können ja zu den enthusiasten gehen.

dort konnten wir die drei großen fragen klären, deren beantwortung die menschheit seit jahren beschäftigt und z.T. mit hohen prämien belohnt wird.

1) liest dan richter auch mal was lustiges?
1b) liest er immer nur abstraktes/unlustiges?
2) ist es peinlich, volker strübing zu sagen, dass man sein blog jeden tag liest und sich stets darüber freut?
3) gibt es nach der lesung tatsächlich eine disco, die immer angekündigt wird?

1) dan richter las einen brief des mügelner bürgermeister deuse an den indischen premierminister. dann das ganze auf englisch. sehr lustig. auch wenn der alte trick, das sächsische idiom zu verwenden, eben alt war.
1b)nein. aber vermutlich fast immer.
2) naja, motoviert von vier beck’s-mixgetränken aus dem nachbarspäti (das sage ich voller scham) ging ich zu volker strübing, der sich ehrlich zu freuen schien ob meiner lobesbekundung. ich freute mich, dass ich meine freude über dieses blog (und die videos) einmal direkt übermitteln konnte.
3) ja, es haben zu spitzenzeiten 17 menschen vor der bühne getanzt. eine djane spielte freundliche musik, man durfte sich auch musik wünschen, ohne dass die djane grimmig dreinzublicken gedachte. das war sehr schön. die enthusiasten selbst haben nicht getanzt. saßen aber noch sehr lange in den verschiedenen ecken des raw-tempels, also würde keine familie auf sie warten. mmh.

zusammenfassung und fazit

die chaussee der enthusiasten ist eine alternative und volker strübung nahm mir meine freundlichen worte nicht krumm.

merkt euch das.

am ende kommen touristen 4/10

das kommt raus, wenn man auf andere hört. nehme ich an.

ich stelle mir das so vor: der jugendliche robert thalheim macht zivildienst in auschwitz, erlebt lauter dinge, die man in einem jahr ausland eben erlebt, erzählt davon zu hause. und alle raten ihm: das musst du verfilmen. irgendwann glaubt er selbst daran. es entsteht „am ende kommen touristen“. für einen film sind seine erlebnisse aber viel zu dünne.

anders als der titel suggeriert, zeigt der film nur sehr wenige touristen, die vermeintlich nicht in der lage sind, sich dem ort angemessen anzunähern. in kritiken las ich, dass sich väter mit kindern auf der schulter vor dem „arbeit macht frei“-schild fotografieren lassen. ich hab das wohl verpasst.
die gespräche mit dem holocaust-überlebenden verlaufen stets gleich und enden immer mit „geh weg. hörst du? du sollst gehen“. dann steht der hauptdarsteller langsam auf, lässt seine hände hängen und verlässt ruhigen schrittes den raum. jedes mal. auch sonst vermag es der hauptdarsteller nicht zu überzeugen.

es wurde viel angeschnitten: auschwitz-besuche der jugendlichen mit ihren eindrücken. einsamkeit in der ferne. verliebtsein. umgang mit alten menschen. deutsche im ausland. deutsche in polen. deutsche firmen im ausland. perspektivlosigkeit in polnischen kleinstädten. inszenierte trauerveranstaltungen. braucht man einen gewissen intellekt, ob dieses kapitel angemessen empfinden/verstehen/nachvollziehen zu können?

aber keines dieser themen wird konsequent behandelt, alles nur angerissen, fallen gelassen.

quote:
sven: wenn der auf die leiter steigt und runterfällt… dann gute nacht
ania: mmh. gute nacht.

am ende kommen touristen in der imdb

arm aber sexy

städte brauchen werbekampagnen. stadtnamen allein reichen offenbar nicht mehr aus. dann sucht man marketingexperten, berät über lustige sprüche und die anderen.
gut sind natürlich jene, die man außerhalb der stadt kennt. aus angst vor platten sprüchen entschied sich dresden vor drei jahren zu einem einfachen punkt. dresden. dresden hat offenbar abitur.

am schönsten ist die werbekampagne in osnabrück, bzw. die reaktion der menschen darauf. in osna hängen banner an vielen sehenswürdigkeiten, die mit schniekem diminutiv auf die bedeutung der stadt aufmerksam machen: am heger tor steht brandenburger törchen, am rathaus capitölchen, am theater scalalein. darunter jeweils: herrlich ehrlich.

weil das doch reichlich bekloppt ist, formierte sich widerstand in der gruppe „bürger gegen plattitüden“. diese verteilte aufkleber mit slogans wie „ganz schön blödchen“ oder „ehrlich entbehrlich“. schön, wenn die zivilgesellschaft gesund ist.

gefunden in der berliner zeitung und zwar hier

afghanistan seit eh und je

Das Trauerspiel von Afghanistan

Der Schnee leis stäubend vom Himmel fällt,
Ein Reiter vor Dschellalabad hält,
„Wer da?“ – „Ein britischer Reitersmann,
Bringe Botschaft aus Afghanistan.“

Afghanistan! Er sprach es so matt,
Es umdrängt den Reiter die halbe Stadt,
Sir Robert Sale, der Kommandant,
Hebt ihn vom Rosse mit eigener Hand.

Sie führen ins steinerne Wachthaus ihn,
Sie setzen ihn nieder an den Kamin,
Wie wärmt ihn das Feuer, wie Iabt ihn das Licht,
Er atmet hoch auf und dankt und spricht:

„Wir waren dreizehntausend Mann,
Von Kabul unser Zug begann,
Soldaten, Führer, Weib und Kind,
Erstarrt, erschlagen, verraten sind.

Zersprengt ist unser ganzes Heer,
Was lebt, irrt draußen in Nacht umher,
Mir hat ein Gott die Rettung gegönnt,
Seht zu, ob den Rest ihr retten könnt.“

Sir Robert stieg auf den Festungswall,
Offiziere, Soldaten folgten ihm all‘,
Sir Robert sprach: „Der Schnee fällt dicht,
Die uns suchen, sie können uns finden nicht.

Sie irren wie Blinde und sind uns so nah,
So laßt sie’s hören, daß wir da,
Stimmt an ein Lied von Heimat und Haus,
Trompeter blast in die Nacht hinaus!“

Da huben sie an und sie wurden’s nicht müd‘,
Durch die Nacht hin klang es Lied um Lied,
Erst englische Lieder mit fröhlichem Klang,
Dann Hochlandslieder wie Klagegesang.

Sie bliesen die Nacht und über den Tag,
Laut, wie nur die Liebe rufen mag,
Sie bliesen – es kam die zweite Nacht,
Umsonst, daß ihr ruft, umsonst, daß ihr wacht.

Die hören sollen, sie hören nicht mehr,
Vernichtet ist das ganze Heer,
Mit dreizehntausend der Zug begann,
Einer kam heim aus Afghanistan.

Theodor Fontane leitete in London als Auslandskorrespondent 1855 – 1859 die im Auftrag des preussischen Ministerpräsidenten Otto Freiherr von Manteuffel erscheinende deutsch-englische Korrespondenz. Mit dieser Ballade beschreibt er 1857 den katastrophalen Ausgang des ersten der drei anglo-afghanischen Kriege (1839 – 1842).