Jetzt also doch: Stern liest Schmidt liest Proust

Das Buch hat eine hohe „Ich muss dir mal eine schöne Stelle vorlesen“-Dichte, ganz abgesehen von Schmidts Exzerpt von Marcel Proust „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“, von dem ich nicht einmal die Hälfte verstehe, weil es die für Schmidt wichtigsten Stellen eines mir gänzlich unbekannten Buches sind. Ich werde bei Gelegenheit also Schmidt zitieren. Wer Proust zitiert haben will, lese Proust. Oder Schmidt.

cover Schmidt liest Proust

12.8., Berlin, Seelower:[hier steht eigentlich noch das Wetter, lassen wir das aber]
Marcel will ihm schildern, warum er früher Literat werden wolle:

[V]or Erregung zitternd, litt ich bei der Vorstellung, dass nicht jedes meiner Worte ein möglichst genaues Äquivalent dessen sein, was ich gefühlt, doch nie zu formulieren versucht hate; daraus ergab sich natürlich, dass meine Rede ganz und gar unklar blieb.

Die Tragik der mit einem reichen Innenleben Ausgestatteten, sie stehen im Gespräch immer als Idioten da, nur weil sie sich nicht unter ihrem Niveau ausdrücken wollen. Entweder, man liest nur noch ab, was man schriftlich vorformuliert hat, oder man schweigt. Gut reden können doch nur die, denen ihre Gedankengänge nicht ständig die Sätze verkomplizieren.

23.8., Alt-Lipchen: Die flüchtige Begegnung mit einer Fremden, die man nie wiedersehen wird. Wie schön, wenn man noch jung ist und sie als Versprechen empfindet und nicht wie Menschen in meinem Alter als Symbol aller im Leben verpassten Möglichkeiten.


1 Antwort auf “Jetzt also doch: Stern liest Schmidt liest Proust”


  1. 1 u 16. Mai 2009 um 11:03 Uhr

    Beim Lesen sehr oft das Bedürfnis gehabt, kleine Klebezettelchen in das Buch zu kleben, um bemerkenswerte Stellen später wiederzufinden.

    Vertraute Praxis: In den Wagen steigen „Mit dem achtlosen Schwung eines Menschen, der, da er aufgehört hat, über Entschlüsse nachzudenken, aussieht, als wisse er, was er will“.

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