Archiv der Kategorie 'solange es dunkel ist'

Первая любовь – Erste Liebe 2/10

Ich schreibe kein Aufholblog1, deshalb wird hier einfach weiter gemacht, wo wir aufgehört haben.

Wir haben einen entsetzlich kitschigen Film gesehen, und wenn die Gefahr bestünde, dass die verehrte Leserschaft den Weg ins russische Kino findet, würde ich entschieden davor warnen. So aber lasse ich Zahlen sprechen (2/10), nehme die Tanzszenen aus der notwendigen Kritik ausdrücklich aus und teile mit, dass ich erfreulicher Weise beinahe wörtlich hätte übersetzen können, wenn es jemand verlangt hättte. Sie haben den Titel der Novelle von Turgenejew entweiht. Und wenn wir an die Novelle von Turgenejew denken, müssen wir stets die Adaption von Charles Simmons mitdenken („Salzwasser“ – Blutsbruderschaft mit allen, denen ich dieses Buch einmal geschenkt habe), der wiederum, das ist auch bekannt, „Das Venus-Spiel“ schrieb, worüber sich hier, sehr verdichtet, ausgelassen wurde. Von mir.

In der Unterführung vor dem Kino spielte am Abend eine Band.

Dass die Menschen lauthals mitgesungen haben, kann man auf dem Video leider nicht sehen.

  1. es wird lediglich ein kleines Video vom Masleniza-Fest geben, wo ich Gefecht-ähnliche Zustände mit der Kamera festhalten konnte.. ich muss noch noch herausfinden, wie imovie meine divx-dateien lesen kann… [zurück]

Valkyrie 5/10

Der Rummel um diesen Film ist mir völlig unverständlich, ist es doch ein ganz normaler, beinahe schlichter Hollywood-Streifen, der eine beliebige Geschichte nacherzählt, deren Ausgang allgmein bekannt ist. Ohne auf die Tränendrüse zu drücken, das Set stets optimal ausgeleuchtet, die Musik häufig einen Tick zu laut, läuft Cruise durch allerlei aufgeräumte Kulisse bis zu seinem Tod. Während die „Musik“ im Film jede Szene überlärmt, wird sie – und das ist ein schöner Kunstgriff – im Moment des Todes ausgestellt. So merkt der Zuschauer, dass gerade etwas für den Film wichtiges passiert ist. Mitleid, Verständnis oder ein nur irgendwie geartetes Gefühl kann er schließlich nicht entwickeln. Dazu ist das Drehbuch viel zu sehr damit beschäftigt, alle Etappen des Attentats nachzuerzählen. Was ist mit den Motivationen Stauffenbergs, was mit seiner NS-Vergangenheit (das Wort NS-Vergangenheit klingt zu recht so schön vorwurfsvoll, hat hier aber einen amüsanten Nebenklang…), mit seiner Familie. Zu allem ein Satz, eine Szene, und weiter, damit man auch in 2 Stunden durch ist.

Der Film selbst ist wahrlich nichts besonderes. Überflüssig. 5 Punkte für den Unterhaltungwert, den angsteinflößenden Hitler und die Nachhilfestunde in Geschichte.

Skins

na, noch mal 17 sein? die 3 Bartstöppelchen gegen 3 Pickelchen eintauschen?

Auf Anraten von www.coffeeandtv.de Lukas (ich habe von denen gelernt) habe ich mir die erste Staffel von Skins besorgt und bin positiv überrascht, wie nah die Macher an der Realität heutiger Jugendlicher, zu denen ich mich fast noch hinzuzähle, dran sind. Vor fünf Jahren war es jedenfalls noch alles so wie in der Serie, nur eben nicht in England.

Der Soundtrack meiner Jungendlichkeitsphase gleicht dann auch im Klang den im Hintergrund eingespielten Gitarrenakkorden, viel Bekanntes ist zu Hören, wie zB das Intro zu first day of my life, das ich damals auf einem an mich verschenkten „Tape“1 fand und sich tief eingrub.

In Skins finden sich nun auch die gleichen Typen wieder, die es auch in meiner Jugendlichkeitsphase gab und offenbar bis heute gibt, 1 zu 1 werden sie abgebildet, die Schönlinge- und Geister, Freunde und Kumpels, Schwulen und sich-in-Lehrerinnen-Verlieber, die Musikerinnen, Kinder reicher Eltern, die Scheidungskinder, Immigranten, Lebenslustigen und Lebensmüden. ach, alle sind sie da.

Ich empfehle, wer nicht alle Folgen sehen will, die Folge 6: Klassenfahrt nach Moldau, wo seltsamerweise russische Flaggen hängen, alle bestechlich sind, die Einrichtung völlig heruntergekommen ist und das Essen widerlich. Die Attraktivität der Mädels entschädigt aber offenbar für die Unannehmlichkeiten, und wenn diese (Mädels) mit „Friends“ Englisch gelernt haben, merkt man das auch in ihrem Wortschatz..2

  1. natürlich eine CD [zurück]
  2. he’s such a good friend. He‘ll be there for you when the rain starts to fall… oder: he’s my husband. we were on a brake. [zurück]

Nick and Norah’s Infinite Playlist 7/10

Coffeandtv hatte den Film Nick und Norah – Soundtrack einer Nacht – empfohlen, drum nahm ich mir Zeit und sah ihn mir auch an.

Ohne von Lukas abschreiben zu müssen, drängt es mich mitzuteilen, dass mir die Garden-State-Analogien auch gehörig ins Auge sprangen. Dieser Film wird wie der Film vom in-Scrubs-mit-allen-Mädels-Rummacher Zach Braff vom Soundtrack zusammengehalten, was nicht weiter schlimm ist, weil die Musik klasse ist und sich auch in meiner Mediathek befindet, dadurch aber leider keine Notwendigkeit gesehen wurde, nun auch noch eine schlüssige Handlung zu präsentieren. Wie in Garden State fahren und laufen die Akteure minderwichtigen Sachen hinterher (dort ein Amulette, hier eine betrunkene Freundin), um sich selbst (das heißt den Partner) zu finden. Allein die Skurillitäten aus Garden State wurde vergessen beiseite gelassen.2

Sogar die Schlussszene auf der Rolltreppe wurde nachgespielt mit einem beinahe identischen abschließenden Satz. Und der Ort der Handlung ist lediglich von einer Seite des Flusses auf die andere verlegt worden1.

Artwork, Atmosphäre und Hauptdarsteller wurden bei Juno geklaut, Michael Cera habe ich bislang noch nicht als Schauspieler akzeptieren können, er macht erneut nichts in dem Film, ein Nicht-Schauspieler.

Der Rest war aber sehr schön, straff erzählt, im großen auch nachvollziehbar.

Schaut euch noch die Bilder von der Premierenfeier an und vergleicht sie mit den Schönheiten aus dem Film. Da hätte man mit iPhoto/picasa noch einiges machen können. Bei den Fotos. Der Film ist bereits durchinszeniert.

  1. wenn mich meine Topographiekenntnisse nicht täuschen [zurück]
  2. Von der Szene abgesehen, in der die gesuchte Betrunkene in der mit Erbrochenem gefüllten Kloschüssel nach ihrem Kaugummi fischt, natürlich. [zurück]

The curious case of Benjamin Button 10/10

Es geht 166 Minuten aufs Gemüht. Der Film benötigt 2 Stunden, bis er eine fröhliche Atmosphäre vermittelt, und kann diesen Zustand nicht einmal 20 Minuten halten. Die Frage, wie es ist, als alter Mann geboren, und dann immer jünger zu werden, wird hier durchexerziert. Insbesondere in Bezug auf die Auswirkungen auf Beziehungen zu anderen, zu Eltern, Kindern, und, zentral im Film: Der großen Liebe.

quote: our life is defined by opportunities, even the ones we miss.

Die Filmemacher, allen voran David Fincher und die Maskenbildner, haben großen Aufwand betrieben und ein vermutlich zeitloses Werk geschaffen, dem auch die überflüssige Reminiszenz an den Hurricane in New Orleans nichts anhaben kann.

Ich schaue ihn bestimmt noch ein zweites Mal. Aber nicht so bald. Er liegt mir noch schwer auf der Brust.

imdb