Wiederholungsfragen zu:

Galtung, Johann: Strukturelle Gewalt – Beiträge zur Friedens- und Konfliktforschung, Reinbek bei Hamburg 1975.

1. Welchen Bildungshintergrund hat Johann Galtung?
- Mathematiker und Soziologe
- Sohn eines Armeegenerals
- *1930 in Oslo, Norwegen

2. Welche Überzeugung vertrat er seit frühester Jugend? Welche persönlichen Folgen hatte dies für ihn?
- Konflikte lassen sich friedlich lösen
- Zweifel an kriegerischer Auseinandersetzung als Ausweg
- verweigerte Kriegsdienst, wurde deswegen sechs Monate in Haft genommen

3. Welchem Forschungsgebiet widmete sich Galtung vornehmlich? Auf jenem Feld gründete er drei Institutionen, welche?
- Friedensforschung
- Internationales Institut für Friedensforschung, 1959
- Journal of Peace Research, 1964
- Entwicklungs- und Friedensnetzwerk für Konfliktforschung und Globalisierung „Transcend“, 1989

4. Was umfasst der klassische Gewaltbegriff?
- physischen und psychischen Zwang, den ein Täter oder eine Tätergruppe anderen angedeihen lässt

5. Welches Konzept machte Galtung bekannt? Beschreibe Galtungs Gewaltbegriff!
- das der strukturellen Gewalt
- Erweiterung des klassischen Gewaltbegriffes:
- Gewalt, wenn reale Verwirklichung von Menschen durch Beeinflussung geringer ist als die potentielle Verwirklichung
Bsp.: Überleben, Wohlbefinden, Identität, Freie Wahl (i.S.v. algm. mehrere Möglichkeiten haben)  wenn verletzt, dann Gewalt vorherrschend
- Fehlen von spezifischen Tätern/Opfern  keine Akteure, die explizit gewaltsam handeln bzw. keine Opfer die Gewalt empfinden

6. Um welche Variablen ergänzt dieses Konzept den klass. Gewaltbegriff?
- allgemein um alles, was Menschen an Entfaltung hindert
Bsp.: Diskriminierung, Ungleichverteilung von Ressourcen und Einkommen, Armut, Umweltverschmutzung, Naturkatastrophen

7. Welche Dimensionen unterscheidet Galtung bei seinem Gewaltbegriff?
a) physische vs. psychische Gewalt
b) negative vs. Positive Einflussnahme
c) objektbezogene vs. Objektlose Gewalt
d) personal vs. Nichtpersonale Gewalt
e) intendierte vs. nicht intendierte Gewalt
f) manifeste vs. latente Gewalt

8. Warum nehmen „Opfer“ unter Galtungs Gewaltverständnis, diese nicht wahr?
- „Gewalt“ in Sozialstrukturen manifestiert, Einschränkungen verinnerlicht und als naturgegeben angesehen
Bsp.: Lebenserwartung von 30 Jahren  in Steinzeit keine Gewalt, würde aus Galtungs Sicht heute aber unter Gewalt fallen (i.S.v. Einschränkung der potentiellen Verwirklichung)

9. Welche Faktoren erhalten Gewalt in einem sozialen Gefüge aufrecht?
a) ein klare Rangordnung
b) azyklische Verhaltensmuster, die nur eine mögliche Verhaltensweise zulassen
c) direkter Zusammenhang von Rang und Stellung im System (Rang bestimmt Stellung)
d) Übereinstimmung der Systeme, die Gleichheit aller Beziehungssysteme bestimmt
e) Akteur, der im System hohe Position hat, hat in der Regel auch in anderem System hohe Position
f) Bündelung hoher Ränge auf verschiedenen Ebenen, bedeutet Vertretung der Akteure einer Ebene auf der nächst höheren durch ihren Ranghöchsten

10. Nenne einen Begriff der synonym zur strukturellen Gewalt verstanden werden kann!
- soziale Ungerechtigkeit

11. Welcher Begriff lässt sich über das Fehlen personaler, direkter Gewalt definieren?
- negativer Frieden

12. Was ist nach Galtung positiver Frieden?
- das Fehlen struktureller Gewalt
- ähigkeit Konflikte kreativ, mitfühlend und gewaltfrei zu lösen

13. Was sind die größten Kritikpunkte bzw. Vorteile an Galtungs Theorie?
- schwammige und wenig trennscharfe Definition
- jede Radikalisierung gegen eine vorherrschende strukturelle Gewalt ließe sich nach Galtungs Verständnis als legitime Gegengewalt rechtfertigen
+ Untersuchung von Gewalt, der keine expliziten Täter zugeordnet werden können
+ Ansicht, das Gegenteil von Gewalt nicht Gegengewalt sondern Gewaltfreiheit sei

14. Was ist kulturelle Gewalt?
- jene Aspekte einer Kultur, die strukturelle Gewalt rechtfertigen können (Flaggen, Hymnen, Plakate) indem sie…
…Machthaber legitimiere personale/strukturelle Gewalt gegen Gruppen anzuwenden, die als Feinde angesehen werden
- unter jeder Kultur wirken tiefenkulturelle Prozesse, Verhaltensweisen und Widersprüche, die zum Ausbruch von Gewalt führen

15. Wie definiert Galtung Konflikte?
- komplexe Mischung aus Verhaltensweisen und Widersprüchen
- Unvereinbarkeit von Zielen und Interessen, um die Freund-Feind-Schemata aufgebaut werden, welche alles Negative auf den Feind projizieren