Wiederholungsfragen zu:

Luhmann, Niklas: Politische Theorie im Wohlfahrtsstaat, München 1981

1. Was ist die Grundthese der Schrift „Politische Theorie im Wohlfahrtsstaat“ von Niklas Luhmann, die bei Erscheinen in den 1980er Jahren eine Provokation innerhalb der Politikwissenschaft darstellte?

Die Gesellschaft ist nicht politisch steuerbar.

2. Warum kam es in den 1980er Jahren zum Streit zwischen Luhmann und Politikwissenschaftlern (u.a. Fritz Scharpf) nach Erscheinen seiner Schrift „Politische Theorie im Wohlfahrtsstaat“?

Politikwissenschaft nimmt mit Politikfeldanalysen und Steuerungsprogrammen gesellschaftliche Relevanz für sich in Anspruch < --> These: Die Gesellschaft ist politisch nicht steuerbar.

3. Welche beiden Studien absolvierte Luhmann? An welcher Universität war er ab 1968 tätig?

- Jura und Soziologie;
- Bielefeld

4. Woran orientieren sich nach Luhmann die Erwartungen an einen Menschen bzw. dessen Handlungen in der Vormoderne?

- an der Zugehörigkeit zu einem bestimmten Stand

5. Woran orientieren sich nach Luhmann die Erwartungen an einen Menschen bzw. dessen Handlungen in der Moderne?

- an den verschiedenen funktional differenzierten Teilsystemen der Gesellschaft

6. Nenne 4 Beispiele für funktional differenzierte Teilsysteme der Gesellschaft!

- die Wirtschaft, das Recht, die Wissenschaft, die Politik

7. Worauf reagiert Luhmann mit seiner Schrift „Politische Theorie im Wohlfahrtsstaat“?

- gesellschaftliche Krise des Wohlfahrtsstaats der 1970er Jahre
- ihre politikwissenschaftliche Diskussion

8. Luhmann reagiert mit seiner Schrift „Politische Theorie im Wohlfahrtsstaat“ auch auf die politikwissenschaftliche Diskussion der Krise des Wohlfahrtsstaates. Worin besteht nach Luhmann die Krise?

- krisenhaft sind weniger die politischen Institutionen als vielmehr ihre theoretische Reflexion
- „es mangelt nicht an politischer Radikalität, wohl aber an theoretischer Radikalität“

9. Wie stehe die einzelnen funktional differenzierte Systeme nach Luhmann zueinander und zum Gesellschaftsssytem?
- das Gesellschaftssystem ist darauf angewiesen, dass jedes Teilsystem funktioniert
- kein Teil kann die Funktion eines anderen übernehmen
- kein Teilsystem kann die Gesellschaft als Ganzes in der Gesellschaft repräsentieren

10. Sollte die Politik nach Luhmann das steuernde Zentrum der Gesellschaft sein?
- nein, eine zentrumslose Gesellschaft ist einen entscheidende Bedingung für eine leistungsfähige Demokratie
- „Man kann eine funktional differenzierte Gesellschaft nicht auf Politik zentrieren, ohne sie zu zerstören
- Politik ist nur ein System neben anderen

11. Der Mensch geht nicht mehr als Ganzer in der Gesellschaft auf, sondern jeweils in bestimmten Rollen. Welche Aufgabe kommt hierbei dem Wohlfahrtsstaat zu?
- Wohlfahrtsstaat als Regelung dafür, wie der Mensch als Bürger in der Politik einbezogen wird
- die pol. Gewährleistung dehnt sich auf eine Vielzahl von Lebensbereichen aus --> private Probleme wandeln sich in öffentliche Aufgaben der Politik

12. Die Politik ist genau wie alle anderen Teilsysteme eine funktional differenzierten Gesellschaft „selbstreferentiell“. Was bedeutet das?
- das System besteht ausschließlic aus Elementen, die es selbst produziert und reproduziert

13. Gib zwei Beispiele für selbstreferentielle Systeme. Worin besteht jeweils das Selbstreferenzielle? (Luhmann)
- Wirtschaft: Zahlungsfähigkeit wird durch Zahlungen hergestellt
- Politik: Entscheidungsfähigkeit wird durch Entscheidungen hergestellt

14. Luhmann zeichnet zur Illustration der Selbstbezogenheit des politischen Systems zwei Kreisläufe der Entscheidungsfähigkeit. Gib den offiziellen Machtkreislauf wieder!
Publikum --Wahlen-->Abgeordnete --Gesetze (kollektiv)--> Verwaltung --Entscheidung (Einzelfall)--> Publikum

15. Luhmann zeichnet zur Illustration der Selbstbezogenheit des politischen Systems zwei Kreisläufe der Entscheidungsfähigkeit. Gib den Gegenkreislauf wieder!

Verwaltung --Ausformulierung der Gesetze--> Abgeordnete --wecken Wahlmotive--> Publikum --Interessenorganisation/“Tränen im Amtszimmer“--> Verwaltung

16. Nach Luhmann strukturiert die Selbstreferenz der Politik auch die Wahrnehmung gesellschaftlicher Problemlagen. Welche Gefahren ergeben sich daraus?

- Verantwortung von Problemen, die mit den Mitteln der Politik nicht gelöst werden können
- Ignoranz von Problemen, die nicht genügend Menschen (Wähler) betreffen